Zur Probe eine Premiere: Ein TweetUp am Theater Koblenz

Nun hatten wir ja in unserem Jahreseingangspost bereits gefragt, ob neumodische Instrumente wie „TweetUps“ (Btw. Warum eigentlich „TweetUp“ und nicht „Tweet’n Greet“ oder „Tweety“…?) tatsächlich die Zukunft des modernen Theater-Marketings sein können. Gestern bekamen wir dann die Gelegenheit, einen derartigen TweetUp auf Herz und Nieren zu testen. Das Theater Koblenz lud eine gedeckelte Anzahl mobil-orientierter Menschen ein, sich am TweetUp zur Probe der Comedian Harmonists zu beteiligen. Doch damit nicht genug: Vor der eigentlichen Probe hatten die Beteiligten – inklusive unserer Wenigkeit – fast zwei Stunden Zeit, ins architektonische Innenleben des Theater Koblenz hineinzuschnuppern, zum Teil sogar unter Führung. Ein für das Theater selbst sicherlich nicht zu unterschätzender Aufwand, schließlich saßen in den Korridoren eine ganze Reihe von Angestellten, die mit an Unsicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch gerne Markus Lanz im ZDF bedauert hätten. Selbst wenn – die Menschen vermittelten eine Freundlichkeit, die zumindest den Anschein erweckte, man selbst sei ein gern gesehener Gast.

Spannend jedenfalls zu sehen, wieviel Substanz eigentlich hinter, neben und unter der Bühne vorhanden  ist. Diese Dinge, die in vielen polemischen Diskussionen zum Thema kommunale Kultur deutlich zu kurz kommen, sollten durch ihre Betreiber viel häufiger thematisiert werden.

Die regionale Presse in Form der Rhein-Zeitung betätigte sich übrigens als heimlicher Treiber der Veranstaltung. So hielt Chefredakteur Lindner zu Beginn eine Theater-Koblenz-Social-Media-Laudatio und zeigte damit, dass Lobbyismus nicht gar so schlecht wie sein (aktueller) Ruf ist. Allein jetzt – keine 12 Stunden nach dem Event – finden wir auf www.rhein-zeitung.de bereits zwei Artikel zum Thema – und die Printvariante zum Montag Morgen wird sich sicherlich nicht lumpen lassen.

TweetUp Theater Koblenz

Twitter-freie Zone im Theater Koblenz

PR ist sowieso ein gutes Stichwort. Soviel kostenlose PR wie an einem Abend generiert man in der Regel selten im ganzen Jahr. Sicherlich bleibt die Qualität zu hinterfragen, doch es wäre vermessen, stets nur aus dem Ei gepellte, von höchster Eloquenz strotzende Journalisten-Texte zu berücksichtigen, wenn es um die Bewertung der Reputation für ein Theater geht. Ein ganz entscheidender Aspekt ist doch, Menschen über einen Brückenschlag zu gewinnen, die ansonsten eher rudimentär für die Kultur zu begeistern sind. Jetzt können wir zwar nur orakeln, wie viele kulturelle Grenzgänger gestern teilgenommen haben, doch es muss schlichtweg versucht werden, das Potenzial, das die heutige Online-Maschinerie in sich birgt, für die eigenen Zwecke zu nutzen. Und diese Zwecke können schlussendlich nichts anderes sein, als Besucher für Vorstellungen zu gewinnen. Wie wir hier an anderer Stelle schon sagten – Social Media ist mehr als Social Delivery über dogmatisierte Facebook-Seiten.

Um nunmehr den Bezug zu gestern herzustellen und das ist ein Kritikpunkt unsererseits – es fehlte die Animation zum gemeinsamen Kennenlernen. Nicht selten schauten wir ins Foyer, während alle anderen voller Inbrunst auf ihr Mobilgerät stierten. Selbstverständlich? Vielleicht. Aber halt schade, irgendwie. Hier hätte das Theater Koblenz durchaus aktiver dazu beitragen können, mehr als nur den Hashtag #tweetupKO zur menschlichen Konnektion zur Verfügung zu stellen. Allerdings bestand nach Ende der „offiziellen“ Veranstaltung die Möglichkeit, in der Kantine des Theaters noch einmal zusammenzukommen, um über das Erlebte vielleicht auch zu sprechen – wir nahmen daran aber nicht mehr teil.

Die Probe an sich wurde weiter eifrig von den Twitterern begleitet. Man hatte hierbei nicht den Eindruck, als dass sich die Protagonisten von der herumtippenden Masse groß beeinflussen ließen. Im Gegenteil – hin und wieder setzten Regie und Assistenz charmante Nadelstiche in Richtung Publikum – verbal und digital, versteht sich. Ob es Sinn machen könnte, hier das Publikum auch digital mehr miteinzubeziehen und das Empfinden gegenüber dem Dargestellten abzufragen, sei dahingestellt.

Außerordentlich interessant wäre es nun, tatsächlich zu messen, welche TweetUp-Teilnehmer letzten Endes auch konvertieren, das heißt dem Stück auch live beiwohnen. Darauf kommt es schließlich an. Und wiederum auf deren Mund-, pardon … Tweetpropaganda. Sollte diese „Lawine“ ins Rolle kommen, kann der TweetUp eine echte Alternative werden. Schließlich ist Geltungsbedürfnis ein höchstes „Gut“ innerhalb der Netzwelt. Wenn man dann noch geradezu animiert wird und einem nichts krumm genommen wird, nur gut.

Wir könnten nun natürlich stundenlang weiter über das Für und Wider von TweetUps philosophieren, doch dafür ist es an dieser Stelle noch zu früh. Wir bedanken uns jedenfalls erstmal ganz recht herzlich beim Theater Koblenz für die Möglichkeit, am TweetUp zur Probe der Comedian Harmonists teilzunehmen und wünschen dem Theater vor allem eines: Viele Follower auf vollen Rängen!

TweetUp Theater Koblenz

Und nicht vergessen…

 

 

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